Reanimationsübungen auf Greifswalder Marktplatz

Am 19. September 2015 erlernten Hunderte Greifswalder an 500 Puppen auf dem Greifswalder Marktplatz, wie bei einem Herzstillstand Hilfe zu leisten ist. Prüfen – Rufen – Drücken lautet die einfache Regel, die im Notfall Leben retten kann. Organisiert war die Veranstaltung vom Landkreis Vorpommern-Greifswald, der Unimedizin Greifswald und dem Klinikum Karlsburg sowie weiteren Einrichtungen. 
Dr. med.Bernd Müllejans, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Karlsburg, erklärte, warum schnelles Handeln notwendig ist: „Beim Herz-Kreislaufstillstand zählt jede Sekunde. Wird das Gehirn eines Menschen drei Minuten lang nicht mit Sauerstoff versorgt, entstehen bereits irreparable Schäden.“ Im Alltag müssen die Notfallmediziner leider vielfach feststellen, dass Menschen vor der notwendigen Hilfe zurückschrecken – aus Unkenntnis und auch aus Angst, etwas falsch zu machen. Es gibt aber nichts Schlimmeres, als bei einem Kreislaufstillstand nichts zu tun. Deshalb initiierten die Mediziner der beiden Einrichtungen in der Woche zur Wiederbelebung vom 19. bis 26.September 2015 die Aktion auf dem Marktplatz. Bei herrlichem Sonnenschein war die Beteiligung groß.  
Unter denTeilnehmern war auch Lisa-Marie Löst (15) aus Hintersee bei Löcknitz. Sie hatte vor einem Jahr ihrem Vater mit einer Reanimation das Leben gerettet. Gemeinsam standen Beide auf der Bühne und beantworteten die Fragen von NDR-Moderator Nicolas Bernhard. „Ich bin so stolz auf meine Tochter“, sagte Thomas Löst (56) gerührt. Er könne sich an den Tag nicht mehr richtig erinnern, beim Fliesenlegen im Haus sei ihm plötzlich schlecht geworden. Von dem Sturz habe er nichts mehr mitbekommen. Erst Tage später sei er im Klinikum Karlsburg wieder aufgewacht. Lisa-Marie hatte nur den Schrei der Mutter gehört und war hinzugeeilt. „Ich habe gar nicht groß überlegt, sondern sofort getan, was zu tun ist“, sagte sie bescheiden vor den Menschen auf dem Marktplatz. Die damals 14-jährige hatte während der Vorbereitung auf die Jugendweihe einen Erste-Hilfe-Kurs belegt. Während die Mutter den Notruf 112 wählte, begann das  Mädchen sofort mit der Herzdruckmassage und führte diese aus bis die Rettungskräfte kamen. „Das war eine großartige Leistung von Lisa-Marie und zeigt, was alles möglich ist, wenn das Wissen vorhanden ist“, unterstrich der Karlsburger Intensivmediziner Müllejans. Leider seien solche Fälle viel zu selten in Deutschland, meinte der Spezialist. In Skandinavien würden bereits Kindergarten- und Schulkinder über die Notfallhilfe aufgeklärt.  
Vor dem Greifswalder Rathaus versuchten sich am Samstag Jung und Alt an den Puppen. „Vor 40 Jahren habe ich das mal gelernt, nun wollte ich mal schauen, ob es noch klappt“, sagt die 67-Jährige Elisabeth Dibbern, die mit ihrem Mann Rudolf eifrig probte. Neben vielen Familien mit Kindern hat sich auch Prof. Dr. Alfried Krause eine Übungspuppe gegriffen. „Wir sind doch zumeist zu zweit und müssen uns helfen können“, sagt der rüstige 93-Jährige und blickt auf seine Frau. Als um 12.30 Uhr der Moderator alle Anwesenden an die Übungspuppen bittet, betätigen sich 500 Menschen gleichzeitig an Wiederbelebungsübungen.